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Balver Höhle – die größte Kulturhöhle in Europa

Balver Höhle

Im Hönnetal befindet sich die Balver Höhle im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Karsthöhle wird über das Jahr hinweg für viele kulturelle Veranstaltungen genutzt. Heute gibt es ausreichend erforschtes archäologisches Material, das das Alter der Höhle auf die mittlere Altsteinzeit Europas zurückverfolgen lässt. Von daher wird die Balver Höhle als Kulturhöhle bezeichnet. Der Vorplatz der Höhle setzt sich aus Sedimenten zusammen. Insgesamt besteht die Höhle aus einer tunnelförmigen Halle. Von dieser Halle zweigen zwei Nebenarme ab, die den Namen der beiden Entdecker und bedeutende Wissenschaftler und Geologen tragen: Ernst Heinrich von Dechen und Rudolf Vierchow. Ein Nebenarm hat noch einmal zwei Seitengänge, die dann an die Oberfläche zurückführen.

Karsthöhle: Das ist ein Begriff aus der Geologie und bezeichnet die unterirdischen Geländeformen. Diese sind in Carbonatgestein, Salzgestein und Sandgestein entstanden. Eines der Hauptmerkmale ist der unterirdische Wasserhaushalt.

Die wichtigsten Daten und Fakten zur Balver Höhle

Die Balver Höhle reicht bis zu 70 m in den Felsen hinein. An ihrer höchsten Stelle erreicht der Eingang eine Höhe von 12 m. An der breitesten Stelle kommt die Höhle auf 18 m. Die Konstrukteure sahen sich also mit der Herausforderung konfrontiert, die Höhenunterschiede von 15 m auszugleichen. Das gelang ihnen durch ein dreistufiges Treppensystem. Die Höhle entstand einst durch die Karstverwitterung in der Kreidezeit. Bis heute fehlen aber eindeutige Belege zur Ausformung der Höhle. Die meisten Befunde gehen davon aus, dass sich die größten Bereiche der Balver Höhle in der Eiszeit gebildet haben.

Diese Art Höhlen gibt es eigentlich in Kalkstein. Gewachsen ist der Kalkstein aus abgestorbenen Korallen vor 360 Millionen Jahren. Die gewaltigen Kräfte im Inneren der Erde heben, falten und senken den weißen Kalk. Das darin eindringende Wasser löst den Kalk wieder auf und führt zu Rissen und Hohlräumen. Heute ist davon auszugehen, dass die Entstehung der Balver Höhle auf Millionen Jahre zurück geht.

Wie ist die Balver Höhle entstanden?

Heute wird davon ausgegangen, dass durch die beiden Nebenarme Einstrudelungskanäle über Jahrtausende hinweg immer wieder Oberflächenwasser durch das Innere der Höhle gespült wurde. Das löste das Lockergestein und führte zu weitreichenden Reibungen in der Seitenwände. Stück für Stück wurden dadurch die Wände abgeschmirgelt. Gleichzeitig schwemmte das Wasser den Erosionsschutz weg. 

An den Höhlenwänden kann man noch heute Spuren der Schmirgelei und der Schrammen erkennen. Das Ganze ist wirklich sehr plausibel. Der umliegenden Höhenzug reichte nämlich auf bis zu 1000 m vor ungefähr 800.000 Jahren hinauf. Es ist davon auszugehen, dass das Niveau des Tals aber dem heutigen entspricht. Darüber hinaus ist es möglich, dass das Tonnengewölbe durch Erosion und Wassereinwirkungen in der Weichseleiszeit entstand. Danach füllte es sich allmählich mit Sedimenten und Lehm. Dadurch entstanden in der Höhle verschiedene Schichten, die sich wiederum an den Seitenwänden der Höhle abzeichnen.

Seit dem 19. Jahrhundert wurden alle archäologischen Funde, die in der Balver Höhle gemacht wurden, weit verstreut. So sehen Sie die Funde in unterschiedlichen Museen in Nordrhein-Westfalen sowie in einigen privaten Sammlungen. Besuchen Sie aus diesem Grund die Museen in Altena, Dortmund, Bonn, aber auch in Menden und Iserlohn. Im Heimatmuseum von Balve entdecken Sie besonders frühes Fundmaterial. Hier werden noch heute sehr viele alte Funde verwahrt. 2006 eröffnete in der Luisenhütte das Museum für Vorgeschichte und Frühgeschichte. Dort sind die Funde in einen wissenschaftlich abgesicherte Zusammenhang eingeordnet.

Die Kulturhöhle: Die bekanntesten Events in der Balver Höhle

Seit 1922 finden in der Balver Höhle regelmäßige Theateraufführungen und Musikveranstaltungen statt. Seit 1991 veranstaltet der Verein Festspiele Balver Höhle hier die Märchenwochen. Jedes Jahr findet auch das Schützenfest in der Höhle statt. Im 19. Jahrhundert räumten die Landwirte von Balve die Höhle und verlagerten ihr Schützenfest in das Innere, bis heute wird die Höhle als Schlechtwettervariante genutzt. Demnach hat die Stadt Balve die Höhle der Schützenbruderschaft Sankt Sebastian vermietet. Diese hat also bis heute das Nutzungsrecht und organisiert die Vermietung von allen Veranstaltungen. Bis zum heutigen Tage wurden die eigentlichen Besitzverhältnisse noch nicht vollständig geklärt. 

Besonders beeindruckend und zu großer mediale Aufmerksamkeit schaffte es die Balver Höhle im Juli 2012. In diesem Jahr nahmen nämlich die Fantastischen Vier zum zweiten Mal ein MTV Unplugged Konzert in diesem ungewöhnlichen Ambiente auf. Darüber hinaus wurde die Balver Höhle im Jahr 2006 und danach immer wieder regelmäßig für Public Viewing Events genutzt. Das RTL Casting Format “Deutschland Sucht Den Superstar” hat in die zweite Staffel und die zweite Eventshow in diese Höhle verlegt. Besuchergruppen können unter der Voraussetzung der Voranmeldung auch kleinere Veranstaltungen in der Balver Höhle abhalten.

Die Balver Höhle – verwunschener Wohnort der Zwerge

Es gibt viele Sagen und Märchen, die um die Balver Höhle ranken. Etymologisch deckt sich auch der Name der Stadt mit der Balver Höhle und einer legendären Saga, wonach die Höhle der Wohnort der Zwerge sei. Sie haben über lange Jahre in den Bergen gewohnt. Deshalb ist der Name seit Jahrhunderten überliefert: Balve bekommt nämlich von Ballova und steht zugleich für den Zwerg. 

Wer im Sauerland Urlaub macht, sollte unbedingt einen Abstecher zur Balver Höhle machen. Es ist wirklich beeindruckend dieses Naturschauspiel zu sehen, das sich direkt nach dem Höhleneingang offenbart. Darüber hinaus finden über das ganze Jahr hinweg immer wieder spannende Events in der Höhle statt. Sie ist fest mit der Kultur der Einwohner verbunden und ein unmittelbarer Bestandteil der Region.